19.3 Elastizitäten: kurze und lange Frist

Angebot und Nachfrage sind in der langen Frist elastischer als in der kurzen Frist. Ein identischer Schock führt in der langen Frist zu stärkeren Mengen- aber geringeren Preisanpassungen als in der kurzen Frist. In der obigen Graphik ist durch einen Angebotschock realisiert, der die Angebotskurve in beiden Feldern um denselben Wert parallel nach oben bzw. unten verschiebt.
Reaktionsmöglichkeiten sind kurzfristig eingeschränkter als langfristig. Kurzfristig ist die Möglichkeit auf Alternativen auszuweichen oder sich in der Nachfrage oder Produktion umzustellen geringer als in der langen Frist. So können Autofahrer beispielsweise kaum den Benzinpreisanstiegen vor Feriertagen und Ferien ausweichen. Sie müssen tanken, wenn sie fahren wollen. Langfristig kann man jedoch den Konsum an Benzin einfacher reduzieren durch die Bildung von Fahrgemeinschaften, öffentlichen Nahverkehr oder gar den Umzug in eine andere Wohnung. Die Dauerkosten von PKW und Treibstoff ammortisieren die einmaligen Kosten von Umzug oder Organisation der Fahrgemeinschaft umso eher, je länger die betrachtete Frist ist. DIe Mengenreaktion auf eine Preisänderung ist also umso größer je länger der betrachtete Horizont ist. Die Angebots- bzw. Nachfragekurve ist langfristig elastischer als kurzfristig.


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